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Bist du kritikfähig?


Die Macht der Worte und wie ich damit umgehe


Was andere über mich denken, geht mich nichts an. Ein Satz, den ich einmal gehört habe und den ich mir immer wieder selbst wiederhole. Und doch merke ich immer wieder: Es ist einfacher gesagt als wirklich gefühlt. Worte können in mir etwas auslösen, Meinungen bleiben in meinem Kopf, denn manchmal treffen sie mich genau da, wo ich mich unsicher fühle.


In solchen Momenten hilft mir ein Gedanke besonders: Wer mich ärgert, bestimme immer noch ich (Karin Kuschik). Dieser Satz erinnert mich daran, dass zwischen dem, was gesagt wird und dem, was ich daraus mache, ein Raum liegt. (ABC Modell). Ein Raum, den ich selbst bestimmen kann. Ich verstehe immer besser, dass ich den Umgang damit, wie andere über mich denken oder sprechen, bei der anderen Person lassen darf. Ihre Worte gehören zu ihr, ihre Sichtweise ist geprägt von ihrer eigenen Geschichte, ihren Erfahrungen und ihren Emotionen. Ich muss sie nicht zu meiner machen.


Und trotzdem bleibt die Frage: Wie schaffe ich es, Kritik nicht persönlich zu nehmen?


Ich stelle mir dann oft eine einfache, aber kraftvolle Frage: Will jetzt mein Ego recht haben oder will ich glücklich sein? Denn in dem Moment, in dem ich auf Kritik verletzt reagiere, gebe ich dem anderen die Macht darüber, wie es mir geht. Ich mache mich abhängig von etwas, das ich eigentlich gar nicht kontrollieren kann.


Innere Klarheit verändert hier vieles. Wenn ich in mir gefestigt bin, wenn ich weiss, was meine Werte sind, dann prallt Kritik oft einfach ab oder bringt mich allenfalls im Positiven weiter. Doch wenn ich zweifle, wenn ich selbst bei diesem Thema unsicher bin, dann trifft mich Kritik viel tiefer. Nicht, weil sie „wahr“ ist, sondern weil sie etwas in mir auslöst, das ohnehin nicht gefestigt ist.


Genau hier beginnt für mich die Arbeit mit mir selbst. Indem ich lerne, mich abzugrenzen und in Ich-Botschaften zu sprechen. So rede ich über mich, statt mich zu verteidigen. Zu sagen: „Ich verstehe, was du meinst und gleichzeitig bin ich anderer Meinung.“ Oder auch: „Ich kann dir gerade nicht folgen, was möchtest du genau von mir?“ Das ist kein Angriff, sondern Selbstfürsorge und Selbstliebe.


Immer wieder beobachte ich meine Gedanken. Ich erkenne, wie schnell mein Ego bei Kritik gekränkt ist, wie sehr es recht haben will, sich verteidigen möchte, weil es sich angegriffen fühlt. Und dann versuche ich, einen Schritt weiterzugehen. Weg vom Reagieren, hin zum Reflektieren. Ich frage mich: Warum löst diese Kritik etwas in mir aus? Was kann ich darin über mich erkennen? Wo darf ich noch hinschauen? Kann ich daraus etwas Positives mitnehmen?


Für mich ist genau das Persönlichkeitsentwicklung. Ein immer wiederkehrendes Zurückfinden zu mir selbst. Kein perfekter Zustand, sondern ein Prozess.


Und ganz ehrlich: Es gelingt mir nicht immer, mich abzugrenzen. Es gibt Tage, da nehme ich Dinge zu persönlich, da ärgere ich mich länger über etwas, als ich eigentlich möchte. Doch ich übe es immer wieder, ganz bewusst. Und Möglichkeiten dazu gibt es ja immer wieder.


Was mir dabei besonders hilft, ist das Schreiben. Gedanken aufs Papier zu bringen, sie zu ordnen, ihnen Raum zu geben. Denn manchmal liegt die grösste Klarheit genau zwischen den Zeilen meines Journals.

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