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Overthinking - Wenn der Kopf nicht still wird


Es gab eine Zeit in meinem Leben, da hatte ich Angst vor dem Schlafengehen.


Nicht, weil ich nicht müde war, sondern weil ich wusste, was kommt, sobald ich im Bett liege. Mein Körper war müde, aber mein Kopf war hellwach. Kaum wurde es still um mich, wurden meine Gedanken laut. Ich begann nachzudenken, zu überlegen, zu analysieren, mich zu sorgen. Über Dinge, die passiert sind. Über Dinge, die vielleicht passieren könnten. Und über Dinge, von denen ich gar nicht wusste, ob sie jemals eintreffen würden.


In der Nacht sehen wir die Welt nicht realistisch. Gedanken vermischen sich mit Gefühlen und plötzlich wird aus einem Gedanken eine Angst, die sich zu einer Panikattacke entwickeln kann.


Heute weiss ich, dass dieses ständige Denken in der Nacht nicht normal ist. Unser Gehirn versucht in der Nacht, Probleme zu lösen und Gefahren zu erkennen. Es denkt, wenn es nur lange genug über etwas nachdenkt, dann bekommt es die Kontrolle. Aber in Wahrheit ist es eine Illusion. Denn egal, wie lange wir über die Vergangenheit nachdenken oder darüber, was in Zukunft passieren könnte, wir verändern damit weder das eine noch das andere.


Was wir zusätzlich verändern, ist unser Körper. Mein Körper reagierte irgendwann mit hohem Puls, Schweissausbrüchen und Unruhe, denn mein ganzes Nervensystem war in Alarmbereitschaft. Ich war müde, erschöpft und gleichzeitig innerlich angespannt. Und genau das ist ein Zustand, der auf Dauer nicht gesund ist.


Ich habe mit der Zeit verstanden, dass hinter diesem Overthinking oft Themen stehen, die emotional noch nicht verarbeitet sind oder Ängste, die ich in mir trage. Manches kann man mit Meditation beruhigen, vieles kann man aufschreiben und so verarbeiten und für manches braucht man auch Unterstützung in Form von Therapie oder Coaching, weil es Dinge gibt, die sich nicht einfach von alleine auflösen. Mir persönlich hat es sehr geholfen, mit jemandem über meine unverarbeiteten Gefühle und Ängste zu sprechen und meinem Overthinking so auf den Grund zu gehen.


Was mir sehr geholfen hat, war zu verstehen, dass ich nicht meine Gedanken und Gefühle bin. Dass ich lernen kann, meine Gedanken und Gefühle zu beobachten, ihnen Raum gebe, ohne sie grösser werden zu lassen.


Ich habe angefangen, mir nachts eine einfache Frage zu stellen: Kann ich dieses Problem jetzt, in diesem Moment, lösen?

Wenn die Antwort Nein war, habe ich versucht, den Gedanken bewusst weiterziehen zu lassen. Nicht immer perfekt, nicht immer sofort, aber immer wieder.


Was mir auch geholfen hat, war, nicht nur nachts zu versuchen, meine Gedanken zu stoppen, sondern bereits am Tag. Ich habe begonnen zu journalen, alles aufzuschreiben, was in meinem Kopf war. Ich schreibe oft so lange, bis der Gedanke etwas von seiner Kraft verloren hat und ich nicht weiter darüber nachdenken muss.


Und ich habe begonnen, bewusst andere Bilder zu denken. Nicht die Bilder von allem, was passieren könnte, sondern Bilder von Vertrauen. Bilder davon, dass ich meinen Weg gehen werde, dass ich nicht alles kontrollieren muss. Ich darf loslassen, vertrauen und das beste für mich manifestieren. Dafür hilft mir mein Visionboard sehr.


Unser Gehirn kann neue Verbindungen lernen. Aber dafür müssen wir es am Tag üben, damit wir es in der Nacht anwenden können.


Heute schlafe ich seit vielen Jahren sehr schnell ein und ich schlafe durch. Meistens schlafe ich innerhalb von wenigen Sekunden ein, egal wo ich bin oder was am nächsten Tag ansteht. Und dafür bin ich unglaublich dankbar.


Nicht, weil ich nie mehr über etwas nachdenke, sondern weil ich gelernt habe, dass ich meinen Gedanken nicht überallhin folgen muss. Und dass Ruhe nicht entsteht, wenn plötzlich keine negativen Gedanken mehr da sind, sondern wenn ich ihnen nicht mehr alles glaube.

 

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