top of page

Vergebung - was das wirklich bedeutet


Warum Vergebung mehr mit mir zu tun hat als mit dem anderen


Vergebung? Nein, sicher nicht. Ich halte lieber an dem Vorwurf oder Vorfall fest! Ich dachte lange, dass ich nicht vergeben kann. Oder vielleicht ehrlicher gesagt: Ich wollte nicht vergeben, weil sich ein Teil von mir an der Ungerechtigkeit, an den negativen Gefühlen und daran, im Recht zu sein, festhalten wollte.


Ich dachte, wenn ich vergebe, dann spreche ich den anderen frei von Schuld. Dann ist das, was passiert ist, in Ordnung und genau das wollte ich nicht. Lieber blieb ich innerlich an dieser Situation oder der anderen Person hängen.


Heute sehe ich, wie viel Energie mich das gekostet hat. Denn auch wenn die Situation längst vorbei war, war sie in mir immer noch präsent. Die Gedanken und Gefühle kamen immer wieder hoch. Ich habe gemerkt, dass ich emotional immer wieder in der Vergangenheit war, obwohl mein Leben längst weitergegangen ist.


Konflikte gehören zum Leben dazu. Meistens sind sie jedoch nicht sachlich, sondern wir streiten mit verletzten Gefühlen und unsere Worte folgen diesen verletzten Gefühlen. Wir sagen dann vieles, das nichts mit dem Erwachsenen-Ich zu tun hat, sondern mit unseren emotionalen Verletzungen, die wir alle schon so lange mit uns tragen.


Was denkst du, wenn du das Wort Vergebung hörst? Was bedeutet Vergebung eigentlich für dich?


Für mich heisst es nicht, dass ich das Verhalten des anderen gutheisse oder dass ich vergesse, was passiert ist. Sondern dass ich mich entscheide, nicht länger an diesem emotionalen Schmerz festzuhalten. Und genau dort habe ich angefangen zu verstehen, dass es nicht nur um den anderen geht, sondern vor allem um mich.


Ich habe erkannt, dass der Schmerz in mir ist, nicht im anderen. Die andere Person hat diese Situation oder diesen Konflikt vielleicht schon längst vergessen. Solange ich daran festhalte, bin ich diejenige, die immer wieder darunter leidet.


Vergebung bedeutet für mich heute, mir selbst meine Energie, meine Ruhe und meinen inneren Frieden zurückzugeben. Es kann sein, dass der andere es nicht verdient hat. Aber ich habe es verdient, frei zu sein.


Ich habe auch lange gedacht, ich könne erst vergeben, wenn sich der andere entschuldigt. Doch was, wenn diese Entschuldigung nie kommt? Will ich wirklich mein Leben lang darauf warten? Heute weiss ich: Ich brauche niemanden, um zu vergeben. Es ist meine Entscheidung.


Ich kann die Vergangenheit nicht ändern, aber ich kann verändern, welche Bedeutung ich ihr gebe. Ich kann entscheiden, ob ich weiter in diesem Gefühl bleibe oder ob ich bereit bin, es loszulassen. Nicht von heute auf morgen, nicht perfekt, aber Schritt für Schritt.


Für mich bedeutet Vergebung, mir zu erlauben, wieder nach vorne zu schauen und mich nicht länger über eine alte Erfahrung zu definieren. Und mir selbst zu sagen: Es ist vorbei. Ich vergebe nicht, weil der andere es verdient hat, sondern weil ich Frieden verdient habe.

 

 


bottom of page