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Journaling


Warum ich schreibe und was Journaling mit mir macht


Früher habe ich als Kind Tagebuch geschrieben. Es war ein kleines Buch mit einem Schloss und einem winzigen Schlüssel, verbunden mit einem Stoffband. Irgendwann fand ich diesen Schlüssel nicht mehr. Also schnitt ich das Band einfach auf und klebte es später wieder zusammen. Noch heute habe ich dieses Buch und finde es spannend, darin zu lesen.


Schon damals hatte das Schreiben für mich eine besondere Bedeutung. Ich konnte diesem Buch alles anvertrauen. Am Anfang waren es eher Erlebnisse, die ich aufgeschrieben habe. Einfache Sätze, einfache Reflexionen, die ich als Kind natürlich noch nicht so wahrgenommen habe.


Heute schreibe ich immer noch. Nur nenne ich es inzwischen Journaling. Alles, was mich inspiriert, Gedanken aus Büchern, Ideen, meine Ziele oder auch meine Gefühle, die gerade da sind, landen in meinem Notizbuch. Und davon habe ich inzwischen sehr viele.


Ich bewahre sie alle auf. Manchmal nehme ich eines wieder hervor und beginne zu blättern. Dann lese ich Sätze von früher und denke: Stimmt, gut, dass ich diesen Gedanken damals aufgeschrieben habe. Es ist spannend zu sehen, wie ich damals die Welt gesehen habe.


Wenn ich etwas aufschreibe, wird ein Gedanke klarer. Er bleibt nicht mehr nur im Kopf, wo er sich ständig im Kreis dreht.


Gedanken verschwinden oft wieder, weil wir im Alltag abgelenkt werden. Mit dem Schreiben bringe ich sie aus meinem Kopf aufs Papier. Und manchmal schreibe ich so lange weiter, bis ein Gedanke wirklich zu Ende gedacht ist. Genau das fühlt sich für mich befreiend an.


Wenn ich später wieder in meinen Notizbüchern lese, sehe ich oft auch meine eigene Entwicklung. Manche Gedanken, die sich früher schwer angefühlt haben, wirken heute plötzlich klarer oder haben sich von selbst gelöst. Dann merke ich, wie wertvoll es war, mir damals die Zeit zu nehmen, sie aufzuschreiben.


Schreiben bringt für mich Klarheit, auch bei meinen Zielen.

Wenn ich etwas aufschreibe, merke ich oft ziemlich schnell, ob ich es wirklich möchte oder ob eher mein Ego etwas erreichen will. Manchmal wird mir beim Schreiben erst bewusst, dass ein Ziel gar nicht aus meinem Inneren kommt, sondern aus dem Gefühl heraus, etwas beweisen zu müssen oder Kontrolle behalten zu wollen.


Wenn ich mir dagegen Zeit nehme, meine Gedanken ehrlich aufzuschreiben, kann ich auch spüren, was wirklich dahintersteckt. Warum wünsche ich mir das eigentlich? Welches Gefühl verbinde ich damit? Wie würde sich mein Leben anfühlen, wenn es bereits Realität wäre? Diese Fragen helfen mir, meine Gedanken weiterzudenken und sie besser einzuordnen.


In meinem Notizbuch darf alles stehen. Wirklich alles. Gedanken, Zweifel, Ideen, Wünsche oder auch Dinge, die ich vielleicht sonst niemandem so offen erzählen würde. Ich muss mich dort nicht erklären und ich muss mir auch keine Gedanken darüber machen, was andere darüber denken könnten. Mein Notizbuch gehört nur mir und dort darf alles stehen. Wirklich alles.


Gerade diese Freiheit macht das Schreiben für mich so wertvoll. Es ist ein Raum, in dem ich ehrlich mit mir selbst sein kann. Und manchmal entstehen genau dort Gedanken oder Erkenntnisse, die mir im Alltag sonst vielleicht gar nicht bewusst geworden wären.


Journaling ist für mich deshalb mehr als nur Schreiben. Es ist eine Form der Selbstreflexion. Wenn ich meine Gedanken aufschreibe, richte ich meine Aufmerksamkeit automatisch nach innen. Ich nehme wahr, was mich beschäftigt, was mich inspiriert oder wo vielleicht noch etwas in mir arbeitet. Dadurch entsteht mit der Zeit eine andere Klarheit im Kopf. Und aus dieser Klarheit heraus fällt es mir oft leichter, Entscheidungen zu treffen oder Dinge einzuordnen.


Wer damit beginnen möchte, muss dafür keine langen Texte schreiben. Mir hat es am Anfang geholfen, mir einfach ein paar Minuten Zeit zu nehmen und das aufzuschreiben, was gerade da war. Manchmal war es ein Gedanke aus dem Tag, manchmal eine Frage, die mich beschäftigt hat oder eine Erkenntnis aus einem Gespräch. Mit der Zeit entsteht daraus etwas ganz Eigenes.


In meinen Coachings ist ein Notizbuch deshalb ein wichtiger Begleiter. Nicht nur für Gedanken während unseres Gesprächs, sondern auch für die Zeit dazwischen. Viele Erkenntnisse entstehen nämlich erst später, wenn man beginnt, sich selbst Fragen zu stellen und seine Gedanken aufzuschreiben.


Und genau dort beginnt manchmal Veränderung. Ganz still, zwischen ein paar aufgeschriebenen Gedanken auf dem Papier.

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