Vertrauen statt Kontrolle
- Denise Steiner

- 18. März
- 3 Min. Lesezeit

Der Weg zurück zu mir, weg vom Funktionieren und hin zu innerem Halt.
Ich habe lange versucht, mein Leben zu kontrollieren. Ich wollte verstehen, analysieren, planen, absichern und möglichst vermeiden, dass etwas passiert, das mich aus der Bahn wirft. Dabei habe ich oft gar nicht gemerkt, wie viel Energie es mich gekostet hat, ständig alles im Griff haben zu wollen.
Heute weiss ich, dass Kontrolle für mich lange ein Versuch war, Sicherheit zu spüren. Rückblickend erkenne ich, dass diese Kontrolle viel mit meinen Ängsten zu tun hatte, die mich über Jahre hinweg unbewusst gesteuert haben.
Gleichzeitig war diese Kontrolle genau das, was mich von mir selbst entfernt hat. Ich war mit meiner Aufmerksamkeit zu viel im Aussen, habe geschaut, was andere tun und was andere von mir erwarten. Ich habe ein Leben gelebt, in dem scheinbar alles funktionierte, weil es so planbar und voraussehbar gewesen war, sich für mich aber nicht wirklich stimmig angefühlt hat. Durch dieses Ungleichgewicht war ich unsicher, oft angespannt, gestresst, manchmal auch wütend und hatte oft das Gefühl, keinen richtigen Halt zu haben. Denn ich suchte den Halt im Aussen und funktionierte, anstatt das Leben zu leben.
Erst mit der Zeit habe ich begonnen zu verstehen, dass dieser Halt nicht im Aussen entsteht, sondern in mir. Ein grosser Wendepunkt war für mich, wieder mehr bei mir selbst anzukommen, als ich mit Meditieren anfing und mir bewusst Unterstützung in Form eines Coachings suchte.
Mich hinzusetzen, still zu werden und mein Leben bewusst anzuschauen. Nicht nur das, was im Aussen passiert, sondern auch das, was in mir passiert.
Durch die Meditation habe ich angefangen, meine innere Stimme wieder wahrzunehmen. Diese leise Stimme, die nicht drängt, nicht bewertet und nicht kontrolliert, sondern einfach da ist. Und je mehr ich ihr zuhöre, desto mehr entsteht Vertrauen. Nicht, weil ich plötzlich weiss, wie alles kommt, sondern weil ich spüre, dass ich mit dem umgehen kann, was kommt.
Ich habe erkannt, wie frei ich eigentlich bin. Wie viele Möglichkeiten mir offenstehen. Wie viele Türen es gibt, die ich lange gar nicht gesehen habe, weil ich so sehr damit beschäftigt war, alles «richtig» zu machen.
Und gleichzeitig habe ich auch angefangen, die Seiten in mir anzuschauen, die ich lange weggeschoben habe. Zweifel, Ängste, alte Muster, die mich geprägt haben. Nicht, um sie loszuwerden, sondern um sie zu verstehen. Nach wie vor buche ich mir jeden Monat ein Coaching, um zu reflektieren und etwas zu lösen. Ich habe für mich erkannt, wie wertvoll es ist, mich dabei begleiten zu lassen. Jeder Sportler hat auch einen Coach, um zu lernen und besser zu werden.
Ich entscheide bewusster, was ich festhalte und was ich loslasse. Und ich merke, dass genau darin eine neue Form von Freiheit entsteht. Für mich bedeutet Vertrauen heute nicht, dass immer alles leicht ist oder dass ich keine Zweifel mehr habe. Vertrauen bedeutet für mich, auch mit diesen Zweifeln und Ängsten da zu sein, ohne mich von ihnen bestimmen zu lassen. Und aus dieser Haltung heraus wird vieles ruhiger und die Ängste und Zweifel immer kleiner.
Ein prägender Moment in meinem Leben hat mir das auf eine sehr klare Weise gezeigt. Durch meine Krankheit habe ich gespürt, wie wertvoll dieses Leben ist und wie wenig selbstverständlich es ist, hier zu sein. Und genau daraus ist auch eine tiefe Dankbarkeit entstanden. Und ich spüre immer deutlicher, was sich für mich richtig anfühlt. Diesen Weg des Vertrauens gehe ich heute bewusst und immer klarer. Und dabei entdecke ich mich immer wieder neu.
Und je mehr ich loslasse, was ich kontrollieren wollte, desto mehr innere und äussere Freiheit bekomme ich.


